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Ein Schritt zurück ins Leben

Über einen Moment der sich für andere klein Anfühlt – und sich für mich ein Meilenstein war.

Es gibt Momente im Leben, die von außen betrachtet ganz unscheinbar wirken. Momente, über die andere hinweggehen, ohne sie auch nur im Ansatz zu bemerken. Und dann gibt es Momente, die für dich innerlich alles bedeuten – weil du weißt, was sie dich gekostet haben.

Heute ist so ein Moment für mich. Und ich möchte ihn mit euch teilen.

„Was für viele selbstverständlich ist, erschien mir in den letzten Monaten unmöglich. Und dennoch habe ich es heute getan.“

Seit über einem Jahr konnte ich wegen meiner psychischen Erkrankung nicht arbeiten. Ich habe mich von meinem Chef und meinen Kollegen distanziert, mich zurückgezogen – bin quasi abgetaucht. Oft war ich im Zwiespalt: „Soll ich mich lieber mal melden?“ und „Ist es besser wenn nicht?“. Letztendlich habe ich mich dagegen entschieden. War keine leichte Entscheidung, aber notwendig. Meine psychische Gesundheit brauchte diesen Abstand. Ich brauchte diesen Abstand.

Doch mit der Zeit wuchs auch die Angst. Die Frage, wie meine Kollegen jetzt über mich denken. Wie sie reagieren, wenn ich zurückkomme. Ob ich überhaupt zurückkommen kann. Diese Gedanken wurden lauter, je länger die Zeit verging.

Gestern war ich dann zum ersten Mal seit über einem mal wieder im Büro, obwohl ich mir vor Angst die Hosen voll hatte. Und das obwohl es nicht einmal mein ersten Arbeitstag war – sondern nur um vorbeizuschauen, bevor nächste Woche die Wiedereingliederung beginnt. Einfach mal da sein.

Ich will ehrlich sein: Klar habe ich im. Nachhinein mich gefragt, was die anderen gedacht haben, als ich überraschend wieder aufgetaucht bin. Natürlich hab ich keinen Freudentanz oder Applaus erwartet, dennoch hat mich die ein oder andere Reaktion beschäftigt und hallt noch nach.

Aber ich war da. Ich hab die Angst ausgehalten, sie wahrgenommen mit all ihren Symptomen. Und ich bin geblieben, bis sie wieder nachgelassen hat.

Ich habe dem Impuls, wegzulaufen, nicht nachgegeben. Und ich bin am Ende mit so einem guten Gefühl da wieder raus gegangen, weil ich einfach so stolz auf mich war und diesen Stolz auch so in meinem Herzen gefühlt hab!

Wir leben in einer Welt, die Erfolge nach Größe sortiert. Nach Sichtbarkeit, nach Zahlen, nach Applaus. Aber ich glaube, das greift viel zu kurz.

Was für manche keiner Erwähnung wert ist, kann für andere einen riesigen Triumph bedeuten. Und du – nur du – bestimmst, wie groß oder klein deine Erfolge sind.

Vielleicht ist dein Erfolg heute etwas anderes:

  • Es geschafft einzukaufen, obwohl die Menschen da draußen überwältigend wirkten.
  • Ein Telefonat geführt, das dir Überwindung gekostet hat.
  • Einen Raum aufgeräumt, obwohl die Energie kaum da war.
  • Das Haus verlassen – einfach nur kurz, aber verlassen.
  • Das Bett verlassen. Punkt. Auch das zählt.

All das sind Erfolge. Echte, zählbare, würdige Erfolge. Feier sie. Erkenne sie an. Lass sie zu dir durchdringen.

Weil du jeden Tag kämpfst – auch wenn es von außen niemand sieht. Und dieser Kampf verdient Anerkennung. Voll allem von dir.

Schritt für Schritt.

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